Der Stifter

Als Jahrgang 1942 bin ich nunmehr Rentner, beruflich war ich Software-Ingenieur und -Unternehmer. Nach dem Studium der Elektrotechnik an der TU Berlin wurde ich dort in den frühen 1970er Jahren zum Informatiker, und zwar als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang Informatik, der damals an etwa einem Dutzend Universitäten in Deutschland gegründet wurde mit massiver Förderung des Bundes. Nach meiner Promotion wechselte ich in die Wirtschaft zu einem Softwarehaus in München: Softlab. Basierend auf der in sechs Jahren erworbenen Berufslebenserfahrung gründete ich 1982 mit einem Partner die sd&m software design & management GmbH, die wir zu einem renommierten und erfolgreichen Unternehmen entwickelten. Nach 19 Jahren sd&m stellte sich mir eine ganz andere unternehmerische Aufgabe: die Sanierung eines IT-Unternehmens in Berlin, der IVU Traffic Technologies AG. Sie hat länger gedauert als erwartet, fast das ganze letzte Jahrzehnt, glücklicherweise mit gutem Erfolg.

Ich bin ein Mann der Wirtschaft, aber dennoch immer der Wissenschaft verbunden geblieben. Als junger Software-Ingenieur versuchte ich, Forschungsergebnisse in der Praxis anzuwenden, z.B. die Objektorientierung, mit Erfolg. Meine eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen habe ich publiziert und auch in Form von Vorträgen und Vorlesungen weitergegeben. In meinem Buch Software-Engineering sind sie zusammengefasst.

Anläßlich meines Abschieds von sd&m gab es im Juni 2001 im ehemaligen Bundestag in Bonn eine Konferenz mit 16 der namhaftesten Software-Pioniere. Sie berichteten über ihre grundlegenden Arbeiten von einst und reflektierten sie aus ihrer aktuellen Sicht. Beides ist dokumentiert in dem Buch Software Pioneers.

Mir sind einige Ehrungen zuteil geworden: Honorarprofessor und Ehrensenator der TU München, Fellow der Gesellschaft für Informatik, Bundesverdienstkreuz, Dr.-Ing. E.h. der TU Kaiserslautern. Das freut mich, wichtiger jedoch ist mir die Anerkennung meiner ehemaligen Mitarbeiter, denen ich zu einem interessanten und guten Arbeitsplatz verhelfen konnte, der Kunden, die wir gemeinsam zufrieden stellen konnten, und der Informatiker in Wissenschaft und Wirtschaft, mit denen ich mich fachlich austauschen konnte. Ihnen allen bin ich sehr dankbar.

Warum die Stiftung? Mein beruflicher Erfolg beruht auf der Informatik, insbesondere dem Software-Engineering. Als dieser einige Jahre nach der Gründung von sd&m sich auch materiell niederzuschlagen begann, entwickelte sich bei mir die Vorstellung, dass ich davon etwas zurück geben sollte, der Gesellschaft im Allgemeinen und der Informatik im Speziellen. Hinzu kommt, dass wir keine Kinder haben, eine gemeinnützige Stiftung mithin ein probater Erbe ist. Deshalb gründete ich 1989 die Stiftung und spendete 2000 der TU München einen Lehrstuhl für „Software-Engineering betrieblicher Informationssysteme“.

Die Stiftung ist wissenschaftlichen Zwecken gewidmet, nicht sozialen. Sie soll ein klein wenig beitragen, Spitzenleistungen in Deutschland zu erbringen. Ohne diese ist der Wohlstand unseres Landes nicht zu halten.

Sport (Laufen, Bergsteigen, Rennrad, Schwimmen), Musik (Klassik, Jazz, Klavier spielen) und Lesen halten mich körperlich und geistig fit, so gut es im Alter eben geht.

Ernst Denert

 

Ernst Denert ...
Softwarepioniere 2001 in Bonn: von links, vordere Reihe: Ernst Denert, Tom DeMarco, Niklaus Wirth,John Guttag, Michael Jackson, Fred Brooks, David Parnas, Peter Chen, Alan Kay, Manfred Broy; hintere Reihe: Barry Boehm, Edsger W. Dijkstra, Michael Fagan, Friedrich L. Bauer, Erich Gamma, Ole-Johan Dahl, Kristen Nygard, Rudolf Bayer, C.A.R. Hoare
... im Aufstieg zur Königsspitze (3851 m)