Die Preisverleihung fand im Rahmen der Informatik 2006 am 4. Oktober 2006 in Dresden statt.

 

Hauptpreis:

Dr. Alexandre Bergel

für seine an der Universität Bern erstellte Dissertation "Classboxes - Controlling Visibility of Class Extensions"

Diplomarbeitspreis:

Hans-Jörg Peter

für seine an der Universität des Saarlandes erstellte Diplomarbeit "Controller Program Synthesis for Industrial Machines"

Zur Arbeit von Dr. Alexandre Bergel:
Modularität ist das wichtigste Qualitätsmerkmal eines Softwaresystems. Datenkapselung und Objektorientierung sind seit Jahrzehnten anerkannte Methoden zum Erzielen guter Modularität. Dennoch bieten die objektorientierten Programmiersprachen dafür noch immer nicht voll befriedigende Konstrukte.

Alexandre Bergel schlägt deshalb die Classbox als Konzept vor, mit dem objektorientierte Sprachen wie Java oder C# erweitert werden könnten. Eine Classbox ist ein Modul, das Klassen, Methoden und Variablen mit ihrem Gültigkeitsbereich definiert sowie Importe, die wiederum erweitert werden können. Dieses Konstrukt vermeidet die Schwächen der objektorientierten Vererbung und von Klassenerweiterungen, indem es die Sichtbarkeit seiner Definitionen besser kapselt.

Die Arbeit gründet auf Bergels umfassender Kenntnis der objektorientierten Software-Entwicklung, sie ist theoretisch fundiert und praktisch evaluiert durch eine Fallstudie, nämlich die Anwendung von Classboxes auf Swing, das Java GUI-Framework.

Zur Arbeit von Hans-Jörg Peter:
Maschinen in der industriellen Fertigung werden meist gesteuert durch sog. speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS). Sie sind seit 30 Jahren als Industriestandard etabliert. Ebenso alt ist die Technik ihrer Programmierung: assemblerartige oder grafische Sprachen auf niedrigem Abstraktionsniveau. Dem Maschinenbau ist der Fortschritt in der Informatik noch nicht zugute gekommen.

Hans-Jörg Peter hat deshalb eine Notation entwickelt, mit der man SPS wesentlich besser - weil problemnah - spezifizieren und programmieren kann. Sie beruht auf gezeiteten endlichen Automaten und dem Konzept sicherer Spiele. Diese Methoden ermöglichen die problemgerechte Spezifikation einer Maschinensteuerung, die automatisch in die SPS-Codierung übersetzt wird.

Peters Lösung ist theoretisch tief fundiert und zugleich praktisch erprobt mit einer Siemens-Steuerung S7-300, codiert mit IEC 1131-3 Assembler. Zudem zeichnet sich die Arbeit dadurch aus, dass sie englisch geschrieben und sehr ansprechend gestaltet ist.